Avantime – Die Zeit davor war schnell vorbei

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Der Renault Avantime durfte nur für kurze Zeit von 2001 bis 2003 produziert werden , aber auf dem Gebrauchtmarkt ist er ein interessantes Fahrzeug. Kurz nachdem die Einstellung verkündet wurde, gingen die Gebrauchtpreise in den Keller. Zusätzlich hatte man den Eindruck, das plötzlich jeder Avantime-Besitzer sein Fahrzeug loswerden will, was die Preisspirale weiter nach unten drehte. Zu der Zeit suchte ich gerade selber ein Auto, wollte aber nicht um die €15.000 ausgeben, obwohl ich immer wieder versucht war der Leidenschaft nachzugeben. Mittlerweile hat sich der Markt beruhigt, Preise sind sogar wieder leicht gestiegen.

Und leider scheidet der Avantime damit aus dem Kreis der potentiellen Kandidaten aus. Zudem habe ich herausgefunden, daß die wenigen Automatikmodelle zu noch erheblich höheren Preisen gehandelt werden. Die Automatik gab es übrigens nur in Verbindung mit dem 6 Zylinder Benziner.

Ist er als Gebrauchtwagen für unter €20.000 interessant?

Ich denke schon. Finanziell betrachtet ist der große Kollaps überwunden und die Preise sind stabil, vielleicht sogar mit einer Tendenz nach oben speziell für die Modelle der letzten Produktionsmonate. Der Wertverlust nach einem Kauf wird sich in Grenzen halten, vielleicht sogar vergleichbar sein mit bestimmten Cabrios wie der offene W124 von Mercedes-Benz.
Renault Avantime
Die in Deutschland angebotenen Avantime sind meist komplett ausgestattet (Privilège) bis auf ein Originalnavi, welches es als Option gab. Das Panoramadach haben die deutschen Avantime eigentlich alle, Leder auch (wie schon erwähnt, Privilège), die beliebteste Farbkombi war Violett-Metallic, dann sieht man viele Blaumetallics. Einer meiner Favoriten ist Grau-metallic, das Dunkelgrünmetallic finde ich am langweiligsten, Rotmetallic ist eher selten wie auch Hellgrünmetallic, und Hellblaumetallic und mein Geheimfavorit Sandbeigemetallic. Schwarz- oder Anthrazitmetallic gab es kurioserweise nicht, daß heißt schwarz gab es laut Prospekt, nur wurde wohl nur ganz wenige, also seltene, Exemplare mit dieser Farbe ausgeliefert. Warum schreibe ich soviel über Farben? Der Avantime lebt von den irren Farbkombinationen und Linien, sie sind integraler Bestandteil. Man stelle sich den Avantime in einer Unifarbe vor.

Die Macken sind bekannt, der Türmechanismus wurde im Laufe der Produktionszeit verbessert, Windgeräusche wurden erheblich gedämpft. Elektronische Zipperlein gabs. Kurzum, empfohlen werden Exemplare ab 2002. Zwar hat der Avantime viele kleine Macken, doch das bleibt bei so einem Extrementwurf eigentlich nicht aus. Man kann bequem zu viert reisen, alle Fenster runter und Panoramadach auf und man genießt majestätisches Frischluftvergnügen. Die vorderen „Sessel“ sind so massiv, daß die hinteren Passagiere die Füße leider nicht drunterschieben können. Unterhalb der Gepäckebene ist noch eine Kofferfach, was evtl für einen Autogastank genutzt werden könnte. Automatik oder Schalter ist mittlerweile eine Preisfrage. Die Automatik scheint verständlicherweise beliebter und da es nur wenige Exemplare gab, sind die Preise verhältnismäßig hoch. Ich bin vor einiger Zeit einen 2001er Schaltwagen V6 über bergiges Land gefahren und habe mich immer gefragt wozu ich das Ding schalte. Ein Sportwagen ist er durch Gewicht und Höhe nicht und zum Cruisen paßt nun einmal besser eine Automatik. Die war zwar nicht berühmt, wurde aber wohl ab 2002 verbessert.
renault Avantime
Manchmal scheint es als wollte Renault/Matra dem Kunden unbedingt vorschreiben wie ein Avantime sein sollte. Warum gab es ihn nicht in anderen zeitlosen Farbkombis, oder in umgekehrten Hell-Dunkelvariationen? Warum gab es nur vergleichsweise luschige Motoren? Warum wirkte der Avantime auf der einen Seite so kompromißlos (Türen, fehlende B-Säule, Farbeffekte, Panoramadach usw.) und doch auf der anderen Seite so „vernünftig“: Motoren, Plattform, Getriebe / Automatik, Reifengröße, Felgen (es gab quasi nur eine Sorte), Auspüffchen, die Front (Haube, Lampen) war langweiliger als die des Espace, die Liste ließe sich für beide Extreme fortsetzen. Es ist als ob die Designer einen langen Weg gehen konnten aber immer noch nicht am Ziel ankamen, die Ingenieure nur ab und zu mitlaufen durften und zusätzlich irgendwelche ahnungslosen Marketingmanager Steine auf den Weg warfen. Und dann kam noch die Auseinandersetzung zwischen Matra und Renault, sowie ein Designchef Patrick LeQuément, der gerade zum Star wurde und Andere die genau das vielleicht nicht wollten.

Als die Produktion des Avantime 2003 eingestellt wurde, war vielfach Häme zu lesen. War der Avantime wie der Name schon andeutet seiner Zeit einfach voraus? Wenn man die Showmodelle der letzten Zeit anschaut wird man immer wiederan den Avantime erinnert. Crossover-Autos sind im Trend und Coupévariationen sind ebenfalls im kommen. Und wenn ein Avantime irgendwo auftaucht, kann es sein, das Porsche und Ferrarifahrer nur noch die zweite Geige spielen.
Renault Avantime
Ein paar wichtige und interessante Informationsquellen über den Avantime, einmal die Espace-Freunde mit einem Forum , den Avantime-Club und die ebenfalls sehr aktive Avantime-Gallery. Dort habe ich auch einen interessanten Hinweis auf bessere Bremsen gefunden. Außerdem gibt es in der Avantime-Gallery auch dieses Auto mit schicken Felgen.
Die offizielle Renault Avantime Site gibt es noch immer. Die Zeit hatte wie immer einen amüsanten Bericht über den Avantime. Auch der Artikel des Guardian ist kein typischer Autotest. Und ein Autobild Chefredakteur outed sich als Besitzer, der den Avantime liebt. Selbst das Fahrermagazin EVO konnte sich dem Avantime-Charme nicht entziehen.
Ein paar trockenere Infos gibts bei Wikipedia, Channel4 findet ihn gar nicht so übel, und Auto-News weiß nicht so recht wie sie ihn unter normalen Testkriterien beurteilen sollen. Harte Fakten und Bilder gibts im Van-Museum, auf französisch gibt hier ein paar Infos. Einen interessanten Blogkommentar gibt es auf Cars-Galore. Einen interessanten Langzeitbericht ist auf Ciao.de zu finden. Einen witzigen und öffentlichkeitswirksamen Einfall hatte eine englische Computer Service Firma, die kurzerhand ihre gesamte Flotte auf Avantime umstellte. Clever. Fotos hierzu gibt es auch auf Avantime-Gallery.
Renault Avantime
Zuguterletzt würde ich noch gerne ein paar Gedanken zu einem nächsten potentiellen Avantimeprojekt loswerden…

Für einen Automobilhersteller sind folgende mögliche Strategien für ein Produkt wie den Avantime interessant:

  1. Innovatives Produkt mit langfristigem Potential, welches auch als Technologie- und Imageträger für die Marke genutzt werden kann. Gewinn wird eher mittel- bzw. langfristig erzielt. Der Entwicklungsaufwand kommt auch anderen Modellen wie dem Espace zugute.
  2. Wenn die Innovation in einem frühen Produktionsstadium eingeführt wird, sollte eine innovative, unternehmenslustige und neugierige Kundschaft angesprochen werden, die Avantgarde mit Geld, die Kunden, die ausprobieren wollen. Das Renault Marketing wollte jedoch Minivanbesitzer ansprechen, deren Kinder flügge sind und die kein flaches Auto mehr wollen. Das ist aber Mercedes A- und B-Klasse Terrain. Ein Avantime ist jedoch eher eine Motorcruiser, ein edles Boot, zwischen Sportboot und Yacht. Mercedes versucht dort ebenso unglücklich die R-Klasse zu positionieren. Auch der R-Klasse fehlt das gewisse Etwas. Eine Mischung aus R-Klasse-Komponenten, Avantime Design und Yachtkonstruktion. Vielleicht sollte Mercedes sich einmal an Yachtwerften wenden…
  3. Nischenprodukt welches vorhandene Technologien und Prozesse nutzt und daher ohne lange Entwicklung und Kopfschmerzen kostengünstig gefertigt wird. Vorraussetzung für ein solches Vorgehen ist flexible und effiziente Prozesse und hohe Produktivität.

Renault Avantime Interior
Wenn die Vorraussetungen gestimmt hätten, wäre der Avantime unter allen Strategien ein Erfolg geworden. Wobei der Avantime eigentlich für die Ersteren prädestiniert gewesen wäre. Da wäre zum Beispiel die anvisierten Käufergruppen: Wenn schon „Avant-time“, dann auch innovative Technologie, z.B. Plattform der nächsten Generation, adaptives Fahrwerk und Luftfederung, interessante Motoren wie den V6 Diesel , Gasbetrieb oder Hybrid.

Da Renault sich von Matra trennen wollte, blieb eigentlich nur noch die zweite Strategie. Matra war jedoch alles andere als effizient und produktiv. Da wurde dann der Avantime zur schicken Hülle mit Macken auf einer veralterten Plattform des 96er Espace, die zudem noch mit zu hohem Aufwand produziert wurde. Da war es dann auch nicht überraschend als die potentiellen Käufer ausblieben.

Fotos Renault

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2 Responses to Avantime – Die Zeit davor war schnell vorbei

  1. Roman sagt:

    Ich finde den Avantime zwar nicht gerade hüpsch, aber auf dem deutschen Markt kann er sicherlich mit der R-Klasse konkurrieren, vorallem weil die Mercedes R-Klasse für den amerikanischen Markt vorgesehen ist und deshalb auf deutschen Straßen kaum vertreten ist.
    Meiner Meinung nach, ist es für alle nicht-deutschen Automobilhersteller sehr schwierig im deutschen Markt Fuß zu fassen, da eine gewisse Ideotie der hiesigen Autofahrer die heimischen Marken stets bevorzugt.

    Viele Grüße

    • Peter Mögel sagt:

      was so aber nicht stimmt … ich habe schon fast alle gänigen Automarken gefahren und bin bei Renault hängen geblieben . SIcher , der Avantime was seiner Zeit weit vorraus und ist auch sicher vergleichbar …. aber ich denke dass gerade Renault/Marta sich von der Masse abheben will , und das haben die Dseigner dort ja wohl geschafft. Ich selbst fahre momentan einen Grand Espace IV und bin schwer zufrieden egal ob Design oder Ausstattung

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